West Papua (Indonesien) – Tual bis Triton Bay
( 2019 )
Damit ihr lieben Leserinnen und Leser euch nun nicht fragen müsst, wieso wir fast keine Weitwinkel-Fotos von dieser Reise online gestellt haben:
- Ja, wir haben diese Tour und die Triton Bay gewählt, um Walhaie, viel Fisch und wunderschöne Korallenriffe zu sehen.
- Nein, wir haben keinen Walhai gesehen.
- Ja, wir haben viele und auch grosse Fische gesehen, die sich im absolut fantastischen Black Coral Wald (und auch an allen anderen Orten) gezeigt hatten. Aber die Sicht war so grottenschlecht, dass wir auf Fotos verzichten (es sieht darauf aus wie in einem massiven Schneesturm) und die schönen Begegnungen nun im Herzen tragen.
Aber beginnen wir am Anfang: Es war die anstrengendste Reise, die wir in den letzten 12 Jahren gemacht hatten. Fünf verschiedene Flüge bis Tual, Reisezeit etwas mehr als 48h (und da ist keine Übernachtung drin, nur ein Tageszimmer in Jakarta für einige Stunden). In Indonesien muss man immer mit Verschiebungen von bereits gebuchten Flügen rechnen – so geschehen bei uns, was dann eben zu diesen teilweise langen Wartezeiten an den Flughäfen geführt hatte. Wir waren bereits in Singapur angekommen, als wir noch eine Mail von Tauchertraum erhielten, dass der letzte unserer 5 Flüge gestrichen und wir auf einen anderen Flug umgebucht wurden. Das ist einer der Gründe, wieso wir solche Reisen immer über unseren tollen Reiseagenten buchen.
Anyway – wenn man dann am Ziel ist – in unserem Fall Tual – vergisst man die Strapazen sehr rasch. An Bord der Wellenreng hat uns Roland, der Owner, persönlich begrüsst. Es war die letzte Tour für die Wellenreng, bevor sie ins Trockendock nach Makassar aufbrach, um ihre jährliche Verjüngungskur zu erhalten.
Das Boot war für uns ein absolutes Highlight! Klein und fein – so wie wir es mögen. Die Wellenreng ist ein Pinisi Schoner, also ein typisch indonesisches Holzboot. Kurz ein Wort zu Holzschiffen: Holz ist ein Material, das arbeitet. Die ersten beiden Nächte auf einem Holzschiff vergehen in der Regel mit eher wenig Schlaf, weil man sich an die teilweise ziemlich lauten Geräusche gewöhnen muss, die ein Holzschiff nun mal macht (umso lauter je unruhiger die See). Holz riecht auch teilweise ziemlich streng – vor allem, wenn die jährliche Überholung, welche Holzschiffe unbedingt benötigen, schon etwas länger her ist. Und aufgepasst wenn es stark regnet! Es kann durchaus sein, dass es dann etwas nass wird in der Kabine, weil das Wasser immer ein Weg durch die feinen Holzrisse findet. Auch hier gilt die Regel, je länger das Trockendock her ist, je nässer die Kabinen. Es ist nicht unsere erste Reise mit einem Pinisi – daher packen wir unsere Kleider und vor allem das ganze Fotoequipment und die sonstige Elektronik immer in (die verpönten) Plastiktaschen (welche wir dann selbstverständlich auch wieder zurück nach Europa nehmen). Das ermöglicht es uns jeweils, auch bei plötzlichen heftigen Regengüssen sehr entspannt zu bleiben und nicht panisch in die Kabine hetzen zu müssen, um unser Equipment zu retten.
Die Wellenreng ( Wellenreng | Tauchertraum oder www.wellenreng.com ) beherbergt höchstens 6 zahlende Gäste bzw. verfügt nur über drei Kabinen. In unserem Fall war da nur noch ein weiterer Gast… also praktisch eine Privattour!
Die drei Kabinen befinden sich unter Deck im Vorderschiff. Sie sind jetzt nicht ganz so gross, wie auf den anderen – grösseren – Booten, aber absolut zweckerfüllend und liebevoll eingerichtet. Auf Deck gibt es einen grossen Tisch, der das Zentrum des Bootes darstellt. Man trifft sich da, isst und trinkt oder macht es sich tagsüber im Schatten mit einem Buch gemütlich.
Zusätzlich hat es noch zwei Sonnendecks auf denen man es sich in gemütlichen Stühlen oder auf Liegen bequem machen kann. Durch die wenigen Gäste hat man seine Ruhe und kann einfach nur geniessen. Apropos geniessen… das Essen ist absolut fantastisch! Ein Mix zwischen europäischer und asiatischer Küche, wunderschön präsentiert! Weltklasse!
Und noch ein Wort zu der wundervollen Crew: Jeder Wunsch wird dir von den Lippen abgelesen. Sie verwöhnen jeden Gast von morgens bis abends. Wie erwähnt – wir waren «end of season», die letzte Tour. Die Crew war seit Monaten 7/24 unterwegs, hatte ihre Familien sehr lange nicht mehr gesehen und war sicher auch müde. Davon hat man nichts gemerkt! Wir hätten ebenso gut die ersten Gäste nach einem längeren und erholsamen «break» gewesen sein können. Hut ab und vielen herzlichen Dank!
Auf der Wellenreng taucht man 3 bis 4 Mal pro Tag – das kommt auf die Route und die zu fahrende Strecke an (wie bei allen anderen Tauchsafaris auch). Die Gegend von Tual bis Triton Bay ist touristisch noch recht wenig erschlossen. Andere Touristenboote haben wir nicht gesehen. Die Tauchgänge waren alle sehr schön und sehr «fishy»! Einer hatte sogar den Namen «many fish» und nomen est omen! Wie bereits erwähnt – die Sicht war jetzt nicht wirklich toll, bzw. einfach wirklich schlecht. Das lag daran, dass in der Woche vor unserer Ankunft ein Zyklon durch die Gegend zog, welcher in der Folge sehr hohe Wellen verursachte, was sich dann wiederum auf die Sichtweiten auswirkte. Aber das war nur für Fotos schwierig – die Taucherlebnisse waren trotzdem superschön. Ein Hai-light war sicherlich der grosse Hammerhai, der sich wie aus dem Nebel zu uns gesellte und dann wieder das Weite suchte. Harry – unser toller Guide – hat alles darangesetzt, uns all die wunderschönen grossen und vor allem auch kleinen Lebewesen dieser Gegend zu zeigen. Er war damit sehr erfolgreich.
Wir waren 3 erfahrene Tauchgäste und einem Abenteuer nicht abgeneigt. Roland hat uns daher bereits zu Beginn unserer Reise gefragt, ob wir Spass daran hätten, einige Plätze zu betauchen, die nicht dokumentiert sind (weil selten oder noch gar nie jemand da getaucht ist). Für uns alle keine Frage! Auf jeden Fall! Man kann das nicht mit allen Tauchgästen machen, weil es bei solchen «exploratory dives» keine Garantie gibt, dass man etwas sieht für das bezahlte Geld. In Indonesien gibt es immer noch viele Riffe, die von Fischern gebombt wurden und daher nicht wirklich attraktiv sind. Es gibt auch kein Briefing, da ja niemand weiss, wie es da unten aussieht. Für uns auf jeden Fall ein wunderbares Abenteuer gepaart mit dem Wahnsinnsgefühl «hey, da wo du jetzt bist, war mit grösster Wahrscheinlichkeit noch nie ein Mensch». Da kriegt man Gänsehaut…
Nach 11 Tagen ging diese unvergessliche Tour auf der Wellenreng zu Ende. In der Triton Bay angekommen, wechselten wir vom Schiff in das Resort «Triton Bay Divers». Wir hatten uns auch auf den zweiten, stationären Teil unserer Ferien gefreut. Aber im Moment, wo du dieses Hammer-Schiff verlässt, kommt schon etwas Wehmut auf und du fragst dich, ob die nächsten 9 Tage da mithalten können. Die Antwort ist: Ja
Das Resort besteht aus 6 Bungalows auf einer grossen Insel direkt vor Westpapua – also am Ende der Welt und noch etwas weiter. Die nächste Stadt (oder grösseres Dorf) liegt 2 Schnellbootstunden entfernt. Die Bucht ist klein und so kitschig wie in einem Reiseprospekt! Weisser Sandstrand, Kokospalmen und türkisblaues Meer – man kann sich nicht satt sehen daran. Die Bungalows sind einfach und geräumig. Da von 23.00 bis 6.00 Uhr der Strom abgeschaltet wird, verfügen sie nicht über AC, jedoch über einen Fan, den man tagsüber laufen lassen kann. Noch besser wird es, wenn man die Frontglastüren öffnet und hinten auch die Türe zum Aussenbad – so hat man immer eine Brise, die durch den Raum streicht. Über den Betten hängen Moskitonetze, um die Mücken abzuhalten, die es halt in diesen Regionen gibt. Wenn man nun so im Bett liegt, kann man über die Füsse direkt auf den weissen Sandstrand und das Meer sehen. Manchmal musste ich mich morgens kneifen, um sicher zu sein, dass ich nicht träume. Und jetzt kommt noch das Sahnehäubchen auf diese Geschichte: Wir waren eine Woche lang ganz alleine dort!!! Keine anderen Gäste… Wie absolut geil ist das denn? Das Paradies nur für uns beide.
Die Sichtweiten in der Triton Bay sind nicht besonders gut. Aufgrund des Zyklons waren sie aber nun wirklich grottenschlecht. Bei einem Tauchgang konnte ich nach dem Sprung ins Wasser meine Flossen fast nicht mehr sehen. Meist wurde es dann auf 10 Metern etwas besser, aber nie gut genug, um ein schönes Weitwinkel Foto zu machen, das man dann nicht 5 Stunden lang bearbeiten muss um ein mittelmässiges Resultat zu erhalten. Daher haben wir die wirklich spektakulären Korallenwälder und die Fischsuppen in unserem Herzen und die Makro-Critters auf unserer Homepage Denn das war unser Ausweichprogramm. Die Makrofotografie ist auch bei sehr schlechten Sichten immer möglich. Nebst den wirklich schönen Weitwinkel-Plätzen verfügt die Triton Bay auch über genauso spektakuläre Makro Spots. Die beiden Guides Jack und Andreas bekamen leuchtende Augen, als wir ihnen erklärten, dass wir Makro machen. Nach einer Saison mit vorwiegend grossen Motiven, waren sie ganz erpicht auf Makrotauchgänge. Und wenn ich Makro sage, dann meine ich auch Makro… Unglaublich, was sie uns da an Kleinstlebewesen und noch kleiner gezeigt hatten. Wir haben keine Ahnung, wie sie Nudies und anderes in der Grösse eines Stecknadelkopfs finden. Ich konnte teilweise nicht erkennen, was ich fotografiere (nicht mal nachdem ich es auf dem Screen vergrössert hatte). So kam es, dass wir teilweise bis zu 20 Minuten versuchten, ein Motiv erstens im Sucher der Kamera zu finden und dann noch scharf zu kriegen…
Lisa – die Ownerin des Resorts – ist eine absolut tolle (und mutige) Frau! Sie hat das Resort mit ihrer Crew gebaut und managt jetzt alles, inkl. die Beziehungspflege mit den Einheimischen. Bei der Triton Bay handelt es sich nicht um einen geschützten Unterwasserpark. Die dort in der Nähe ansässigen Familien und Clans wollen daher auch einbezogen werden. Das hat zur Folge, dass man in dieser Gegend nicht einfach dort taucht, wo man will. Grundsätzlich fragt man immer vorher die Landbesitzer oder das zuständige Dorf-Oberhaupt, ob man da tauchen darf. In der Regel darf man, wenn man dafür bezahlt. In einem Fall hatten sie uns trotz grosszügigem Angebot keine Erlaubnis erteilt (das war aber noch auf der Wellenreng). Für die Tauchspots, die zum Resort gehören, managt Lisa diese Absprache und die Bezahlung – heisst, wenn Liveaboards (Touristenboote) in der Gegend sind, müssen sie sich bei Lisa melden und die entsprechenden Gebühren abdrücken. Das gibt dann auch gleich die Möglichkeit, mit den Tauchbooten die Tauchplanung abzusprechen, so dass man sich unter Wasser nicht an derselben Stelle trifft. Gemäss Lisa klappt das ganz gut – für uns war es nicht relevant, da niemand sonst in der Bay war.
In der Bucht, wo nun das Resort steht, befindet sich die einzige Quelle der Gegend. Die einheimischen BewohnerInnen aus den umliegenden Dörfern kamen vor dem Bau des Resorts in die Bucht, um Wasser zu holen. Das hat sich bis heute nicht geändert. Die Quelle wurde beim Bau des Resorts gefasst und mittels Röhren ins Resort geleitet. Täglich kommen daher viele BesucherInnen mit grossen Gefässen und Kanistern, welche sie füllen, einen kleinen (oder auch grösseren) Schwatz halten mit den Angestellten und dann auf ihren langen, motorisierten Holzbooten wieder verschwinden.
Das Essen war auch hier immer sehr gut. Aufgrund der Lage (sehr remote…) und der ausschliesslich indonesischen Chefs ist hier ausschliesslich indonesische Kost angesagt. Etwas speziell für das Auge war, dass sehr viele Desserts einfach giftgrün gefärbt werden (gemäss Lisa sehr typisch) und richtig gewöhnungsbedürftig waren die Bananen mit der flüssigen Schokolade und dem geriebenen Käse darüber… Aber alles andere war wirklich lecker.
Ja – und dann kam auch hier die Stunde des Abschiednehmens… Wir hatten beide Teile unserer Reise sehr genossen und sind überzeugt, sowohl auf die Wellenreng wie auch zu den Triton Bay Divers zurückzukehren (uns fehlen ja immer noch die Walhaie). Es waren fantastische 3 Wochen!
Die Rückreise war dann übrigens das Gegenteil der Anreise. Es waren zwar immer noch 5 Flüge, aber die Zeiten an den Flughäfen jeweils sehr knapp bemessen. Für den ersten Transfer hatten wir gerade einmal 45 Minuten Zeit. Nachdem unsere Reise aber bereits mit 75 Minuten Verspätung startete, spürten wir die Auswirkungen davon bis nach Singapur. Wir mussten durch jeden einzelnen der drei vorherigen Flughäfen (Sorong, Makassar und Jakarta) rennen wie die Weltmeister!




































































