Island – das etwas andere Tauchen…

( 2014 )

Vor anderthalb Jahren, im Westen von Galapagos, bin ich aufgetaucht und habe meinem Mann erklärt: So, das war’s! Ab jetzt will ich nie mehr in kaltem Wasser tauchen! Und dabei war es nicht einmal sooooo kalt dort – nur ungefähr 12 Grad. Früher sind wir oft in den Schweizer Seen abgetaucht, mit Trockenanzug oder auch nass, Sommer und Winter. Auf 30 Metern waren da konstant nur 4-6 Grad! Und nun also doch noch einmal – in Island…

Ich muss es vorwegnehmen: Es waren nur gerade mal zwei Tauchgänge! Daher kann man unsere Islandferien wohl kaum als Tauchferien bezeichnen ;-) Aber es war so speziell, dass wir diesem Erlebnis auch Platz auf unserer Homepage geben wollen.

Ein befreundetes Pärchen war der Initiator für diese Island-Woche. Und eigentlich war es nicht das Tauchen, sondern unsere zweite grosse Leidenschaft, das CrossFit, das den Anstoss für diesen Trip gab. In Reykjavik befinden sich diverse CrossFit-Boxen – u.a. diejenige von Annie Thorisdottir, der zweimaligen CrossFit-Weltmeisterin (Fittest Woman on Earth 2011, 2012 und hoffentlich auch wieder 2014!). Mit Tom Krebs (Owner von CrossFit TB www.crossfittb.ch in Bern) und Karin Lauper haben wir uns also auf dieses Landabenteuer eingelassen.

Für mich war sofort klar: wenn wir schon in Island sind, dann will ich diese Tauchgänge in der berühmten Silfra-Spalte machen – kaltes Wasser hin oder her. Bei meinem Mann Jürg – der nach meinem Statement in Galapagos erleichtert aufatmete und unheimlich froh war, dass die Kaltwasserzeit endlich definitiv ein Ende gefunden hat – brauchte es da etwas mehr Überzeugung :-)

Mit viel Liebe und ganz sanftem Druck („Schatz, ich habe die Silfra-Tour am 16.6.2014 gebucht und auch bereits bezahlt…“) konnte er aber schnell überzeugt werden, dass dies ein absolut einmaliges Erlebnis ist, das man sich als passionierter Taucher einfach nicht entgehen lassen darf ;-)

Die Silfra-Spalte ist eine spaltenförmige Verwerfung im Isländischen Thingvellir Nationalpark. Entstanden ist sie aufgrund des Auseinanderdriftens der Nordamerikanischen und der Eurasischen Platte. Sie wird jährlich um rund 7mm breiter. Sie ist mit Schmelzwasser des Gletschers Langjöküll gefüllt, das sich ungefähr 50-100 Jahre einen Weg durch das poröse Lavagestein sucht und daher absolut glasklar ist. Das ist es auch, was die Silfra-Spalte, nebst dem Bewusstsein zwischen zwei Kontinentalplatten zu tauchen, so einmalig macht: Sichtweiten von mehr als 100 Metern! Die Wassertemperatur bewegt sich allerdings jahrein und jahraus zwischen 2-4 Grad…

Wir haben die Tour bereits im Voraus bei http://www.dive.is/dive-sites/silfra gebucht. Es macht ja keinen Sinn, für zwei Tauchgänge die ganze Tauchausrüstung nach Island zu schleppen. Daher haben wir das Komplettangebot inklusive Anzug und Ausrüstung gebucht. Wir haben uns zudem schweren Herzens entschieden, auch auf unsere Unterwasserkamera bzw. das Gehäuse und was da alles dazu gehört, zu verzichten. Das sind an die 10 kg Material, die wir nicht wegen 2 Tauchgängen mitschleppen wollten. Das heisst aber auch, dass die Silfra Fotos, die wir auf unserer Homepage veröffentlichen, nicht von uns selber sind. Unser Dive-Guide Ann hat sie mit einer Canon G15 (Kompaktkamera) geschossen und wir haben ihr die Bilder abgekauft. Die Tour ist sehr gut organisiert. Wir wurden um 7.30 Uhr vor unserem Hotel in Reykjavik abgeholt und von da an wurde alles für uns gemacht. Es ist eine Touristen-Attraktion und damit ist auch klar, dass es während der Sommermonate viele davon hat. Man kann entweder schnorcheln oder bei Vorhandensein der notwendigen Brevets, eben auch tauchen. Die meisten Touristen haben keine Erfahrung mit dem Trockenanzug, werden aber vor Ort kurz in die Geheimnisse des Trockentauchens eingeweiht. Man startet in Vierergruppen mit je einem Guide und der Tauchgang dauert zwischen 30 und 40 Minuten. Es wird zweimal der gleiche Tauchgang gemacht. Jürg und ich konnten aufgrund unserer Erfahrung in der ersten Gruppe starten. Das hat bedeutende Vorteile. Denn auch wenn das Wasser glasklar ist – es bleibt nicht so, wenn man als Taucher die Tarierung nicht beherrscht. Die Ablagerungen an den Felsen oder auch der sandige Untergrund in der Lagune am Ende des Tauchgangs können durch ungeübte Taucher mit einem einzigen unbedachten Flossenschlag in eine grosse Sauerei verwandelt werden. Unsere beiden anderen Buddies in der Gruppe – mit sehr wenig Erfahrung im Trockentauchen – haben das teilweise selber bewiesen. Wer also schöne Aufnahmen von der glasklaren Spalte machen will, muss schauen, dass er a) selber das Tauchen beherrscht und b) als erstes starten kann. Ansonsten müssen die Fotos auch hier nachbearbeitet werden indem man mühsam alle aufgewirbelten Schwebeteilchen raustupft. Das Erlebnis ist wirklich einzigartig und sehr, sehr eindrücklich. Ich leide sowohl unter Platz- wie auch Höhenangst. Am Anfang brauchte es daher etwas Überwindung in dieser teilweise recht engen und „tiefen“ Spalte (i.d.R. so 15 Meter) zu tauchen. Aber das klamme Gefühl verschwand rasch und ich konnte den Tauchgang richtig geniessen. Die Kälte hat mir erst beim zweiten Tauchgang zu schaffen gemacht. Beim ersten habe ich es kaum gespürt (vielleicht vor lauter Aufregung). Fazit: Beim nächsten Mal würde ich den Tauchgang noch einmal machen wollen und beim nächsten Mal würde ich das Geschleppe auf mich nehmen und unsere Unterwasserkamera-Ausrüstung mitnehmen. Mit einem entsprechenden Weitwinkelobjektiv könnte man hier Hammer-Aufnahmen machen! Zum restlichen Teil der Ferien: Eine Woche ist definitiv zu wenig! So zwei bis drei Wochen sollte man sich Zeit nehmen. Wir haben mit unserem Mietauto primär die Gegend um Reykjavik herum erkundigt. Nördlich von der Hauptstadt, bei Olafsvik, haben wir eine Whalewatching-Tour mitgemacht – und mit viel Glück während etwa 30 Minuten eine Orca-Familie beobachten können. Auch dieses Erlebnis hatte einen Hühnerhautfaktor von 10 auf der Skala von 1 bis 10! Der Golden Circle mit dem Geysir und dem Gulfoss ist auch sehr beeindruckend (sogar bei strömendem Regen) und von Reykjavik aus gut in einem Tag zu machen. Im Süden der Hauptstadt haben wir die Landschaft mit den heissen Quellen und die Blaue Lagune erkundet. Man hält es nicht für möglich, aber bei den Isländischen Sommertemperaturen ist ein Bad in körperwarmem Wasser eine absolute Wohltat und man kann sich wieder schön aufwärmen :-)

Im Süden von Island haben wir die lustigen Papageientaucher beobachten können und auch noch die bekannte Gletscherlagune des Vatnajökull besucht. Mit einem Tag Reykjavik und 2 CrossFit-Besuchen war die Woche dann auch bereits herum. Noch kurz etwas zum Isländischen Sommer: Unsere Reisedaten waren vom 14. bis 21. Juni 2014. Wir hatten ungefähr 2 Stunden Sonne, eine halbe Woche hell- bis dunkelgrau und eine halbe Woche Niesel- bis starken Landregen… Die Temperaturen bewegten sich so um die 7-14 Grad. Mit dem Wind an der Küste ergab das aber eine Temperatur von ungefähr gefühlten null Grad… Mütze, Handschuhe und Halstuch gehören ins Gepäck (sind aber glücklicherweise nicht immer im Einsatz). Outdoor-Zwiebellook ist angesagt! Die Thermounterwäsche, die wir für’s Tauchen benötigt haben, kam also auch sonst noch zum Einsatz. Wer Sommer und Wärme sucht, der wird in Island depressiv. Wer ein Abenteuer der etwas anderen Art zulässt, der erlebt eine einzigartige, abwechslungsreiche Landschaft, geprägt durch Wind, Feuer und Wasser, die ganz klar Lust auf mehr macht! Besonders beeindruckend sind dann zu dieser Jahreszeit auch die Nächte, die keine sind, weil es nie dunkel wird.

Island – da will ich wieder hin :-)