Raja Ampat auf der WAOW (Indonesia)

( December 2016 )

WOW – die WAOW ist wirklich WOW!!! Nach insgesamt 3 Tauchsafaris auf der Arenui haben wir uns dieses Mal für die WAOW entschieden. Grund dafür war, dass diejenigen Cruises auf der Arenui, die uns interessiert hatten, bereits alle ausgebucht waren. Daher alles neu für uns – ausser der Gegend. Ein weiteres Mal wollten wir uns auf das absolut atemraubende Gebiet von Raja Ampat (Westpapua) einlassen.

Die Wermutstropfen gleich zu Beginn:
– Auch in Sorong ein neuer, moderner Flughafen… Nix mehr mit zuerst die „Töfflibuben“ von der Landepiste jagen. Alles läuft nun hier nach den Vorgaben des Erstweltstandards.
– Die Auswirkungen der Erschliessung dieses wunderbaren Tauchgebiets sind sicht- und spürbar. Wo 2010 einige wenige Safariboote vor Anker lagen, wuselt es nun wild durcheinander, wenn alle Safarigäste zu ihren Booten geführt werden.
– 2010 hatten wir ein einziges Safariboot auf unserer Tour angetroffen (die Pindito). 2016 mussten an den bekannten Super-Tauchspots Absprachen zwischen den Safaribooten getroffen werden, wer wann springt und wie lange man wo tauchen darf, damit man unter Wasser nicht das Gefühl hat, man sei irgendwo auf der Sinai-Halbinsel.

Raja Ampat ist aber auch mit diesen kleinen Einschränkungen immer noch das wohl artenreichste und schönste Tauchgebiet dieser Erde! Da es hier aber auch sehr viele anspruchsvolle Tauchplätze gibt (starke Strömungen), hoffen wir, dass die Tauchanbieter so viel Eigenverantwortung zeigen, dass sie mit eher ungeübten Tauchern einen sicheren Abstand zu den wunderbaren Korallenriffen halten. Falls nicht, werden auch diese Schätze in einigen Jahren zerstört sein.

Die WAOW ist ein wahnsinnig schönes und grosszügiges Safariboot. Trotz ihrer Grösse hat sie bei Vollbesetzung nur zwei zahlende Gäste mehr als die Arenui (total 18). Das Tauchdeck geht fliessend in den Aussen-Aufenthaltsbereich über, was in den hektischen 10 Minuten des Aufrödelns Raum gibt, so dass man sich nicht nur auf den Füssen rumtritt, während man versucht, den engen Neopren über die schwitzende Haut zu ziehen… Der Outdoor-Bereich mit 3 fixen Tischen und Bänken war das Zentrum des Schiffes, wo man sich begegnete und auch die Malzeiten gemeinsam einnahm. Ein grosses Sonnensegel spendete den ersehnten Schatten und der Standort zwischen der Tauchbasis und dem Innenraum schützte vor dem Wind. Bei starkem Regen allerdings musste man sich in den Innenbereich begeben. Und wer bereits in den Gewässern von Indonesien unterwegs war, weiss, dass es immer wieder mal regnet. Die Wälder dort heissen ja nicht von ungefähr Regenwälder und vom ständigen Sonnenschein bleiben sich auch nicht so üppig grün! Auch der Aufenthaltsraum innen ist grosszügig und bequem.

Das Essen auf der WAOW ist der absolute Hit! Wir betonen immer wieder, dass wir ja nicht wegen der kulinarischen Highlights in Indonesien tauchen. Gerade wenn die Resorts versuchen, europäische oder amerikanische Küche anzubieten, gelingt das nicht immer. Eine goldene Regel, die mein Mann und ich befolgen ist: Wenn Rindfleisch auf der Speisekarte steht, dann lass die Finger davon und nimm das Alternativmenü (egal, was es ist)! Hier galt das nicht! Das Rindfleisch war richtig schön zart!

Die Kabinen sind ebenfalls schön geräumig und modern eingerichtet. Das grosse Plus für uns war aber der Fotoraum auf der WAOW. Die Plätze im klimatisierten Raum sind grosszügig bemessen und so konnte der ganze Technopark, den man ja immer dabei hat, dort permanent untergebracht werden. Das entlastet die Infrastruktur in der eigenen Kabine enorm! Wir hatten Glück, dass ausser uns und dem Kameramann der WAOW nur noch Steven Weinberg mit grosser Kamera unterwegs war. So hatten wir im Kameraraum ausreichend Platz um auch zur selben Zeit am Equipment herumzubasteln. Wenn dann wirklich alle 8 Booths mit zwei grossen Kameras besetzt sind, könnte es etwas eng werden.

Getaucht wird in 4-er-Gruppen, welche bereits zu Beginn aufgrund der Tauch-Erfahrung gebildet werden und dann die ganze Zeit so bleiben. Pro Gruppe gibt es einen Tauchguide. Diese wechseln sich im Rhythmus von 2 Tagen ab, so dass man während des Aufenthalts alle Tauchguides geniessen kann. Das kann positiv sein, weil nicht alle Tauchguides gleich gut sind. Wenn die Unterwasserfotografie aber über die Ferienfotos hinausgeht, schätzt man es, wenn der Guide mit den Vorlieben, der Tauchgeschwindigkeit und des Tauchverhaltens vertraut ist. Bei einem Wechsel alle zwei Tage ist das natürlich schwierig bzw. man muss sich dann immer wieder finden. In diesem Bereich muss die WAOW wohl einen kleinen Abstrich machen im Vergleich zu der Arenui. Die Arenui gibt dir über die gesamte Zeit denselben Tauchguide mit. Und die sind (oder waren es zumindest) alle einfach nur supergut! Die WAOW kann da nicht mithalten. Der Cruise Director Guylan hat es am besten gemacht (da er wahrscheinlich einfach auch die meiste Erfahrung hatte). Also – liebe WAOW – hier gibt es noch Optimierungspotenzial!

Wenn wir schon beim Vergleichen sind, hier auch noch ein grosses Plus: Die WAOW ist teilweise auch entdeckerisch unterwegs. Wir wurden bereits am ersten Tag informiert, dass zwar in der Regel die bekannten und dokumentierten Tauchplätze angefahren werden (wie fast alle Safariboote), aber dass man vorhat, auch neue Plätze zu erkunden. Als routinierte Taucher finden wir das natürlich superklasse! An Orten zu tauchen, wo nur ganz wenige oder noch niemand war – Hammer! Bedingt natürlich, dass man erstens einen guten Diveguide hat und zweitens, dass man sich zutraut, sich ohne detailliertes Briefing auf die Unterwasserwelt einzulassen. Wir wissen, im Gebiet von Raja Ampat hat es zum Teil sehr, sehr starke Strömungen. Wir auf jeden Fall haben dies Entdeckungstauchgänge sehr genossen!

Ansonsten ist eigentlich bereits alles gesagt. Raja Ampat ist immer noch das artenreichste, was wir je erleben durften. Aber die Spuren, die wir hinterlassen sind leider nicht zu übersehen.

Nachtrag Februar 2018 – Die WAOW ist nicht mehr…
Die WAOW ist leider in der Nacht auf den 1. Februar 2018 während eines Sturms in Brand geraten und im Hafen von Biak gesunken. Glücklicherweise wurde niemand verletzt oder getötet. Wir sind sehr traurig
Es gibt eine sehr bewegende Dokumentation über die Geschichte und das tragische Ende der WAOW.