Maratua, Borneo (Indonesia)

( September 2012 )

Indonesien ist für angefressene Taucher und Unterwasserfotografen das absolute Paradies! Daher haben wir einmal mehr die beschwerliche Reise auf uns genommen und sind für ganze 3 Wochen nach Maratua/Borneo geflogen/gefahren… 33 Stunden pro Weg! Wir waren bisher noch nie 3 Wochen stationär an einem Ort. Aber die Beschreibung von Maratua verspricht, dass es dort sowohl für Makro- wie auch für die Grossfisch-Liebhaber viel zu sehen gibt. Zudem sind wir von unseren letzten Reisen, bei welchen wir immer mindestens einen Standortwechsel hatten, in der Regel eher erschöpft nach Hause gekommen… und der Sinn der Ferien ist ja eigentlich, dass man erholt die Rückreise antritt. Also – 3 Wochen an einem Ort… ein Risiko? Nicht wenn man bei Tauchertraum bucht! Wenn Michael Christ etwas empfiehlt, kann man sich eigentlich immer darauf verlassen, dass es ein bestimmtes Qualitätsniveau nicht unterschreitet. So auch das Maratua Paradise Resort.

Wie bereits erwähnt, ist die Anreise beschwerlich. Von Zürich nach Singapur, dann Weiterflug nach Balikpapan, Borneo. Dort wird ein Inlandflug nach Berau angehängt. In Berau hat uns ein Wagen abgeholt und in einer rund 30-minütigen Fahrt an den Hafen gebracht. Über die Hafenmauer kraxelnd haben wir ein Speedboot bestiegen, das uns in einer gut 3-stündigen Fahrt zuerst über den Fluss und dann über die offene See in das Resort gefahren hat. Am Montagnachmittag sind wir müde und erschöpft im Paradies angekommen!

Das Maratua Paradise Resort verfügt über aktuell 8 Chalets (ja, sie werden so genannt) am Strand und 10 Wasservillas auf Stelzen. Auf weibliches Drängen hin – frau ist nicht der grosse Spinnenfreund und minimiert wenn möglich das Risiko, einer zu begegnen – haben wir das Stelzenhäuschen gewählt. Eine gute Wahl! Man hat uns die Wasservilla 9 zugeteilt, welche sich am äussersten nördlichen Rand des Stelzendörfchens befindet. Das heisst konkret: praktisch keine Leute, die bis dahin kommen und eine „unverbaute“ Aussicht auf die türkisblaue Lagune, den weissen Sandstrand, die Palmen und das Meer. Und es war genauso kitschig schön, wie es nun tönt! Das Häuschen ist sehr geräumig und verfügt über eine Veranda mit 2 Liegestühlen. Das grosse Frontfenster (das war der einzige Wermutstropfen: man konnte es nicht öffnen) ermöglichte einem zu jeder Tages- und Nachtzeit den Blick auf das Meer. Das Tüpfelchen auf dem „i“ sind dann noch die unzähligen Schildkröten, die mit dem Kopf immer wieder aus dem Wasser lugen, um Luft zu schnappen. Mindestens 5x am Tag haben wir uns gegenseitig immer wieder gesagt: Wir sind im Paradies gelandet! Und was das Paradies noch paradiesischer machte… Wir waren praktisch alleine dort! In den ersten beiden Wochen waren da noch 3 Holländer. Die bewohnten ein Chalet am Strand. Und sonst gab es höchstens Tagestouristen bzw. solche, die eine Nacht in Maratua verbrachten. Es gab sogar 2 Tage, da waren wir die einzigen Gäste! Wie geil ist das denn!?! Ok – die letzte Woche stand dann im Zeichen des Drachens… 24 tauchende Chinesen und zwei Japaner nahmen das Resort in Beschlag. Aus mit der Ruhe – aber sie waren ganz angenehm und sind in eigenen grossen Gruppen getaucht. Uns hat man nur zwei Personen zugeteilt. Und in einer Vierergruppe zu tauchen ist ja immer noch mehr als Luxus!

Das Maratua Paradise Resort ist kein Luxusresort! Falls man das sucht, ist man wahrscheinlich auf der nahegelegenen Insel Nabucco besser bedient. Die Bungis sind einfach eingerichtet und man kann auch erkennen, dass sie etwas in die Jahre gekommen sind. Das gilt für das ganze Resort. Und nebst Tauchen gibt es da nichts! Gar nichts! Das Schnorcheln kann einen verwöhnten Europäer nicht beeindrucken. Da gibt es am Roten Meer schönere Riffe. Das Essen war jetzt auch nicht der Brüller. Es gibt jeden Tag Fisch und Reis. Zwischendurch ist auch mal ein Huhn dabei oder Rindfleisch (aber wer schon in Indonesien war, weiss, dass das Rindfleisch in der Regel sehr zäh ist und man sich besser an Fisch und Huhn hält). Sowohl mittags wie auch abends gab es immer dasselbe Dessert: Melone (und ev. auch noch etwas Ananas). Kein Problem für uns – wir mögen Melone. Auch gibt es am Nachmittag immer einen kleinen (meist einheimischen) Snack zum Tee. Eine Büchse mit Gebäck steht ebenfalls immer zur Verfügung. Aber das ist es dann auch schon. Es gibt keine spezielle Karte, um etwas Abwechslung in den kulinarischen Alltag zu bringen. Allerdings muss man auch sagen, dass sie Extrawünsche erfüllen, falls es möglich ist. Jürg war in der letzten Woche krank und hatte während zwei Tagen sehr hohes Fieber. Ihm war überhaupt nicht nach Fisch und Reis. Die Angestellten – welche durchs Band weg immer sehr freundlich und hilfsbereit waren – haben ihm Suppe und Früchte ins Bungi geschleppt, damit er nicht verhungern musste

Die kulinarische Einseitigkeit ist in diesem Bericht beschreibend und nicht wertend zu verstehen! Schliesslich braucht das Versorgungsschiff nach Berau und zurück zwei geschlagene Tage und das Schiff hat keine Kühlmöglichkeit an Bord. Das schränkt ein. Aber wir waren ja auch auf einer Insel, auf der es ausser Fisch und Kokosnüssen nichts gibt! Das muss man sich immer wieder bewusst sein. Unsere Ökobilanz saldiert mit unseren langen Reisen in die abgelegenen Winkel dieser Erde sowieso schon negativ. Wir wollen sie nicht noch mehr strapazieren… Also – das ist nicht „Jammern“, was jetzt hier in Worten steht, sondern einfach eine Tatsache, die man sich bewusst sein muss, wenn man auf Maratua bucht.

Nun zum Tauchen – deshalb waren wir ja da…! Das war schön – durchschnittlich schön für Indonesien. Es ist nicht vergleichbar mit Raja Ampat, Lembeh Strait oder die Gewässer rund um Komodo etc. Die totale Reizüberflutung, wie wir sie zuweilen an den aufgezählten Orten erlebt haben, findet hier nicht statt. Es hat zwar vieles, was man an den anderen Orten auch findet, aber nicht in derselben Menge. Als die grossen Makrofreaks waren wir hier wieder einmal gefordert, unsere Protagonisten zu suchen. Anstatt 4000 haben wir in diesen 3 Wochen nur 2000 Fotos gemacht (hat auch deutliche Vorteile). Hauptattraktion für die Liebhaber der grossen Lebewesen (und deshalb waren wir ja eigentlich auch da) sind sicherlich die unzähligen Schildkröten und die selten gewordenen und scheuen Fuchshaie. Zu den Schildkröten: wer sie mag, für den ist Maratua ein absolutes MUSS!!! Unter Wasser gibt es den Spot „Turtle Traffic“, der seinem Namen volle Ehre macht. Wir waren einige Male da und mit einer Ausnahme herrschte dort wirklich reger Verkehr und ich spreche nicht von den kleinen niedlichen… Da gab es nicht selten richtige Brummis in der Grösse eines erwachsenen Menschen. Die haben sich durch die Taucher auch nicht heftig stören lassen und man konnte sich ihnen bis auf wenige Zentimeter nähern. Ein wahnsinnig berührendes Erlebnis! Man hätte sie ohne Probleme anfassen können – aber das machen wir aus Prinzip nie.

Das zweite Highlight waren natürlich die Fuchshaie! 6x sind wir am Fuchshaispot getaucht und 4x haben wir sie gesehen! Einmal sogar sehr nahe und immer wieder (das war genau das eine Mal, als wir beide unsere Makroobjektive montiert hatten…). Die anderen Male waren sie für Fotos zu weit weg oder zu tief und in der Dunkelheit unterwegs. Wir haben daher KEIN Foto von Fuchshaien. Aber wir tragen die Bilder in unserem Herzen. Und es sind sehr beeindruckende Bilder! Die scheuen Tiere mit den grossen Augen waren so zwischen zwei und vier Metern lang. Mit diesem langen, geschwungenen und eleganten Schwanz sind sie eine absolute Augenweide! Die Fuchshai-Tauchgänge waren ausnahmslos Deco-Tauchgänge. Man begibt sich zügig auf ca. 32-35 Meter und lässt sich mit der Strömung treiben. Sobald ein grauer Schatten erscheint, taucht man runter und ist dann schnell mal in der Gegend von 45 oder sogar noch mehr Metern… Selbstredend, dass es da nicht lange geht bis der Computer Decostops anzeigt. Alles in allem: sehr beeindruckend!

Ein weiteres, absolut hammermässiges Erlebnis ist der Tauchspot „Channel“! Der befindet sich auf der anderen Seite des Atolls, quasi vor der Touristeninsel Nabucco. Von Maratua aus wird man mit einem Auto (man ist bereits im Neoprenanzug) auf die Innenseite der Lagune gefahren, wo ein weiteres Tauchboot stationiert ist. Das bringt einen zu diesem abenteuerlichen Spot. Den Channel betaucht man bei eingehender Flut. Und wer schon einmal gesehen hat, wie das Wasser brodelt, wenn es sich aufgrund von Gezeiten durch einen engen Kanal pressen muss, der weiss ungefähr, was einen da unten erwartet Der Channel ist nichts für Anfänger! Aufgrund der starken Strömung muss der TG mit „negative entry“ gestartet werden. Das reicht aber noch nicht. Während der ersten 10 bis 15 Meter muss man zusätzlich noch gegen aufsteigende Strömung ankämpfen. Schafft man das nicht, weht es einen über die Riffkannte ins seichte Wasser und der TG ist beendet. Wenn man die Tiefe aber erreicht, so kann man sich problemlos von der Seite her dem Channel-Eingang nähern. Auf ca. 25 Metern Tiefe macht man sich dann mit dem Riffhaken an der Kante zum Channel fest. Und dann ist „Fisch-Fernsehen“ angesagt! Im Eingang zum Channel hat es in der Regel zwei riesige Barracuda-Schulen (eine links und eine rechts). Zudem patrouillieren die grauen Riffhaie an der Riffkante hin und her. Absolut hammergeiles Erlebnis. Kommt nahe an den Blue Corner in Palau heran. Wenn es dann eng wird mit der Luft bzw. der Computer anzeigt, dass man sich langsam nach oben bewegen sollte, macht man den Riffhaken los und huiiiiiiii geht es ab in den Kanal. Ein Gefühl wie Fliegen! Je nachdem wie eng es mit der Luft ist, steigt man eher schnell nach oben oder man lässt sich – mit der Boje an der Oberfläche – bis weit in die Lagune hinein treiben. Super Erlebnis!

Zur Tauchbasis gehört auch ein Kameraraum. Allerdings ist der nicht klimatisiert oder abgeschlossen. Ersteres hat bei beiden von unseren Gehäusen nach ca. 2 Wochen zu Problemen geführt. Die stete Feuchtigkeit (obschon wir die Gehäuse immer verschlossen gehabt haben) führte dazu, dass der Nass-Alarm permanent losging. Beim ersten Mal sind haben wir den TG abgebrochen und sind kontrolliert aufgestiegen. Beim zweiten Mal bereits nicht mehr und dann haben wir die Batterie aus dem UW-Gehäuse entfernen müssen… Nicht gerade der Sinn der Sache. Aber es ist eben wie es ist.

Das Ressort steht unter malaysischer Führung. Es ist grundsätzlich nicht vergleichbar mit einem europäisch geführten Ressort. Das gilt sowohl für die Hotelanlage wie auch für die Tauchbasis. Es macht sicher Sinn, wenn man das eigene Equipment mitbringt und nicht auf Leihausrüstung angewiesen ist. Und man muss sich auf ziemlich knappe Briefings einstellen. Da man aber mit einem Guide taucht, ist es nicht allzu schlimm. Etwas seltsam, bzw. wir haben das noch nie so ausgeprägt erlebt, sind die zum Teil stetig wechselnden (auch starke) Strömungen. Es kann gut sein, dass man bei einem Tauchgang alles erlebt: zuerst linke Schulter, dann merkst du, wie der Druck auf die Ohren immer zunimmt und du stellst fest, dass es dich ziemlich stark nach unten drückt, dann heisst es wiederum wechseln zu rechter Schulter und schlussendlich musst du schauen, das du nicht plötzlich nur noch auf 5 Metern tauchst, weil die Strömung nun nach oben drückt. Es ist grundsätzlich ziemlich strömungsintensiv und nicht nur die TG am Channel müssen mit negative entry gestartet werden.

Die Ausflüge nach Kakaban (inklusive Quallensee) und Sangalki waren sehr schön. Kakaban hatte etwas wenig Strömung und daher sind die wirklich grossen Fischschwärme für uns ausgeblieben. Der Besuch im Quallensee hat aber dafür entschädigt. Obschon nicht ganz so viele Quallen wie im Jelly Fish Lake in Palau, war es doch sehr eindrücklich. Bei Sangalaki haben wir 3 Tauchgänge gemacht und auf allen TG gab es die Mantas zu sehen. Sehr schön!

Ein grosses Problem in der Gegend von Maratua ist und bleibt leider das Dynamitfischen… Die meisten TG macht man an der Riffkante sprich in einer Wand. Die Korallenwelt in den „Walls“ ist grundsätzlich immer noch sehr eindrücklich. Auf den Riffdächern hingegen sind die Schäden gut ersichtlich und erstrecken sich leider über das ganze Gebiet. Es ist auch vorgekommen, dass wir unter Wasser Detonationen gehört und sogar gespürt haben – nicht so toll. Da mutet es dann schon etwas komisch an, wenn der Guide dir erzählt, dass die Schäden von den Dornenkronen stammen… Wahrscheinlich sind es auch die Dornenkronen, welche die Fische umgebracht haben, die da plötzlich auf dem Rücken schwimmend am Boot vorbeiziehen (sehr zur Freude von den Jungs auf dem Boot, welche sie eingesammelt und nach Hause gebracht haben – dinner is ready!). Schade – so wird auch dieses Gebiet langsam aber sicher zerstört werden.

Abschliessend ist zu sagen: auch wenn jetzt Teile des Berichts eher negativ tönen – es ist Jammern auf einem extrem hohen Niveau! Maratua Paradise Resort verdient den Begriff „Paradise“ in seinem Namen! Es waren drei wunderschöne Wochen und wir haben die Zeit sehr genossen! Wie eingangs bereits erwähnt – wir haben uns wunderbar erholt, viel gesehen und viel Schönes erlebt! Unser Guide – Ravie – hat seine Sache sehr gut gemacht und war sehr zuvorkommend! Das Maratua Paradise Resort wird uns in sehr guter Erinnerung bleiben!