Lembeh Strait, Sulawesi (Indonesia)
( December 2013 )
Es war nicht unser erster Besuch in der Lembeh Strait und daher wussten wir auch schon, was wir erwarten durften und das hat unsere Vorfreude extrem gesteigert! Critters, Critters, Critters…! Muck Diving – wir lieben es!
Diesmal sind wir nicht mitten in der Nacht angekommen und daher konnten wir die Fahrt quer durch Sulawesi bei Tageslicht geniessen (nicht dass dadurch der Verkehr oder die Überholstratgie des Fahrers anders als beim ersten Mal gewesen wären…). Für die 10 Tage Lembeh haben wir uns auf Empfehlung von Tauchertraum GmbH das Black Sand Dive Retreat ausgewählt ( ). Ein kleines und ruhiges Ressort an einem Hang nördlich von Bitung – von Manado aus in gut 2 Stunden zu erreichen. Die Bungis sind so aufgestellt, dass alle Meersicht (Lembeh) haben und durch andere Gäste nicht einsehbar sind. Die Anlage ist sehr gepflegt und bietet alles, was Taucher benötigen: geräumige und schöne Bungis, sehr gutes Essen, eine professionelle Tauchbasis und gut eingerichtete Fotoräume (wenn auch nicht klimatisiert). Wi-Fi gibt es in der Anlage, aber der Empfang ist lediglich im Restaurant gut und stabil. Jeder Bungalow verfügt über eine schöne Terrasse und über ein offenes Bad. Stichwort Restaurant: Das Essen ist wirklich lecker…! Es hat immer eine Auswahl von mindestens 2 Menüs für Mittag und Abend (in der Regel ein eher einheimisch anmutendes und dann eines für die nicht so Mutigen ;-). Es sind ausnahmslos Drei-Gänge-Menüs. Auf Bildern habe ich schon gesehen, dass es auch Buffet gibt. Während unseres Aufenthalts gab es das aber nicht. Das Resort war aber während dieser Zeit auch nie voll besetzt.
Nomen est omen – wer weissen Sandstrand sucht, ist in der Lembeh Strait am falschen Ort. Wir gehen aufgrund der Hafennähe (Bitung) auch nicht davon aus, dass es in der Lembeh andere als tauchende Gäste hat. Schliesslich kann man für weniger Geld auf den Malediven o.ä. ein schöneres Ambiente haben, als in einer teilweise stark befahrenen, hafennahen Meeresstrasse.
Es hat lediglich 7 Bungalows in der Anlage, was die Anzahl der tauchenden Gäste schon grundsätzlich einschränkt. Zudem wird darauf geachtet, dass nicht mehr als 4 Gäste auf einem Tauchboot und damit auch beim Tauchspot sind. Das unterscheidet das Black Sand von anderen Ressorts, die teilweise mit 10 oder mehr Tauchern (und alle mit Kameras ausgerüstet) am selben Spot tauchen. Daraus ergeben sich ganz skurrile Situationen unter Wasser, wie bspw. ein klitzekleiner, wunderschöner Flamboyant Cuttlefish, der durch einen Fotografen in 10-facher Ausführung von allen Seiten geblitzt wird und hinter dem Fotografen befinden sich weitere 6 oder 7 Fotografen in der Schlange, die darauf warten, dasselbe zu tun. Allmählich habe ich das Gefühl, dass die armen Viecher dort alle bereits blind sind durch das Blitzlichtgewitter.
Wir haben den Manager bereits zu Beginn informiert, dass wir sehr, sehr langsam tauchen (Foto und Film). Das wurde bei der Bootszuteilung berücksichtigt. Wir haben fast die ganze Zeit mit einem weiteren Schweizer getaucht, der ebenfalls fotografiert hat und v.a. auch taucherisch auf einem sehr guten Niveau war, so dass man einen Spot und die entsprechenden Protagonisten ohne Schlickwolke verlassen konnte und potenzielle weitere Gäste nicht zuerst 10 Minuten warten mussten, damit sich die Schlammwolke verziehen kann und die Critter wieder zum Vorschein kommen. Denn wer die Lembeh kennt, weiss, dass ein falscher Flossenschlag zu einer riesigen Sauerei führen kann. Unser Guide ist stets auf unsere Wünsche ein-gegangen. In der Lembeh Strait gibt es einige der weltbesten Divesites Wir haben in den ersten Tagen viele durchgetaucht und danach wurden wir jeweils gefragt, wo wir gerne noch einmal hingehen würden. Wir haben in der Regel 3 Tauchgänge (zwei am Morgen, einer am Nachmittag) und dann zwischendurch noch einen Nachttauchgang gemacht. Da das Black Sand so zentral liegt in der Lembeh, haben wir sämtliche Oberflächenpausen in der Basis bzw. im Bungi gemacht.
Das Tauchen war einmal mehr einfach nur Hammer! Ich kann mir fast nicht vorstellen, wo das makromässig noch zu toppen ist. Ich kann nur wiederholen, was ich auch schon beim letzten Besuch geschrieben habe: Vieles, was man in der Lembeh sehen kann, kommt sicher auch an anderen Orten (v.a. Indonesien) vor und wenn man Glück hat, sieht man dann pro Tauchgang irgendeinen schönen Critter. Aber in der Lembeh findet unter Wasser die absolute Reizüberflutung statt und wenn wir nicht fotografieren würden, wäre es teilweise am Schluss des TG echt schwierig, noch alles aufzuzählen, was man – teilweise mehrmals – gesehen hat. Wer allerdings das erste Mal in der Lembeh taucht, wird zuerst enttäuscht sein. Nachdem die Luftblasen vom Sprung verschwunden sind, wird er oder sie nichts anderes sehen, als eine trübe Schlick-Einöde. In der Lembeh geht alles um die richtige Tarnung! Als Lebewesen macht man sich entweder unsichtbar, verschmilzt mit seiner Umgebung, gräbt sich ein, geht eine Symbiose ein oder schmückt sich mit den wildesten Farbkombinationen um allen zu signalisieren: komm mir nicht zu nahe, ich bin giftig! Ok – stimmt auch nicht in jedem Fall. Man muss sich die vielen skurrilen Lebewesen zuerst suchen. Am Anfang hilft dabei v.a. der Guide und mit der Zeit entwickelt man selber ein Gefühl dafür, wo man was finden kann.
Extrem gut gefallen haben uns diesmal die beiden Tauchplätze Angels Window und Air Prang. Angels Window ist einer der wenigen Spots mit weissem Sand und einem richtigen Korallenriff. Auf ca. 30 Metern befindet sich eine Gorgonie mit Pygmäen Seepferdchen. I like… Während die anderen durch eine Höhle getaucht sind, habe ich mich mit dem Fotoapparat vor der Gorgonie platziert (ich gehe auch über Wasser in keine Höhle, daher sehe ich keinen Grund, das unter Wasser zu tun). Neben der Gorgonie befindet sich ein kleiner Korallenblock mit 3 Geisterpfeifenfischen (und natürlich auch noch vielen andern Critters). Aufgrund der Tiefe haut es einem da gerne mal ein paar Minuten Deco drauf, wenn man sich beim Fotografieren vergisst. Beim langsamen Aufsteigen begegnet man Tigershrimps, Hairy Octopus, Frogfish und, und, und. Einer der Höhepunkte waren die hellen und dunklen Pontohi Seepferdchen auf der anderen Seite des Riffblocks. Ich bin immer wieder beeindruckt, wie die Guides diese klitzekleinen Dinger überhaupt finden. Es ist ja nicht so, dass sie an Ketten gefesselt immer an der gleiche Stelle dahinvegetieren… Möglicherweise hängt das aber auch mit meiner Alterskurzsichtigkeit zusammen. Solche kleinen Lebewesen sehe ich auch unter Wasser, wo sie zwar schon grösser scheinen, nur noch durch den Sucher meiner Kamera (und manchmal sogar erst auf dem Foto am PC; das sind dann die schönen Überraschungen…)
Beim zweiten Tauchspot, Air Prang, haben wir ein Harelquin Shrimp beobachten können, wie er einen kleinen roten Seestern frisst. Wunderschöne kleine Kreatur! Zudem haben wir haufenweise Nacktschnecken, einen Wonderpus, Hairy Octopus, Bluering Octopus, Falmboyant Cuttlefish, Coconut Octopus, Frogfish und vieles mehr gefunden. Man bewegt sich dort auf einigen wenigen Quadratmetern und kommt aus dem Staunen nicht mehr raus.
Beim letzten Mal im 2011 waren wir sehr beeindruckt vom Tauchplatz „Nudie Falls“. Es hatte damals so viele verschiedene Nacktschnecken, dass man mit Fotografieren fast nicht mehr fertig wurde. Ich habe mich sehr gefreut und wurde dann aber diesmal bitter enttäuscht (was die Nudies anbelangt): praktisch keine Nudies mehr! Aber auf ca. 23 Metern wurden wir fürstlich für die Absenz der Nudies entschädigt. Das erste Mal sahen wir haufenweise farbige Feuer-Seeigel mit den Coleman Shrimps auf ihrem Rücken. Im Gespräch mit Bruce – dem Owner des Ressort – haben wir dann herausgefunden, dass es in der Lembeh immer so ist. Mal hat es an dieser Stelle irgendwelche Critters, die dann plötzlich einfach verschwinden und nach einiger Zeit an einem anderen Ort auftauchen.
10 Tage Lembeh – 10 Tage skurrile und/oder farbige Schönheiten! Für uns ein wahrgewordener Traum, den wir noch einige Male zu träumen gedenken Und wenn wir so in zwei Jahren wieder in der Lembeh abtauchen, dann werden wir noch einmal das Black Sand Dive Retreat wählen. Es hat uns wirklich sehr gut gefallen.
















































