Ambon – Sorong auf der Arenui (Indonesia)

( November 2013 )

Die Vorfreude war gross! Sehr gross!! Immens!!! Acht Monate keinen Stickstoff mehr im Körper, zwölf Monate keine skurrilen farbigen Wesen vor der Linse und 24 Monate keine Arenui!!! Daher also: sehr grosse Freude, als es dann endlich soweit war! Nach einer monstermässigen Anreise (Flug von Zürich nach Singapur, dann gleich weiter nach Jakarta, dann ein 14-stündiger Aufenthalt und weiter mit dem Nachtflug von Jakarta nach Ambon und dann noch eine stündige Autofahrt bis zum Hafen…) haben wir sie endlich wieder gesehen: „unsere“ Arenui und die besten Cruise Directors ever: Debbie und Jerry Arriaga! Was für ein herzliches Willkommen! Es ist unsere dritte Reise mit der Arenui und daher ist es wie nach Hause kommen. Ein kleiner Wermutstropfen gab es allerdings dieses Mal: von den drei langjährigen Dive-Guides ist „nur“ noch Wawang auf der Arenui. Ali und Tobi haben das Schiff in den letzten Monaten verlassen und neue Herausforderungen angenommen. Nicht dass die neuen Dive-Guides nicht gut wären – im Gegenteil! Aber es war halt so etwas wie eine Familie und da fehlen die beiden schon… Aber Tobi haben wir dann sogar noch persönlich begrüssen können – dazu später mehr.

Für unsere dritte Reise mit der Arenui haben wir den Abschnitt Ambon – Sorong gewählt. Dieser Teil der Strecke von Komodo nach Sorong fehlte uns noch. Zudem haben uns sowohl die Tauchgänge in Ambon (am Ende unserer letzten Reise im 2011) wie auch das Gebiet von Raja Ampat (bei unserer ersten Reise im 2010) extrem gut gefallen. Mit diesem letzten Teilstück konnten wir beides noch einmal kombinieren.

Tag 1: Muck Diving in der Ambon Bay! Für meinen Mann und mich ein Start wie ein Feuerwerk. Ich kann mich nur wiederholen: Wir freuen uns bei jedem Hai und sind immer wieder beeindruckt von grossen Fischschwärmen etc. Unser Herz schlägt aber vor allem für die Critters aller Art. Daher also für uns ein fulminanter Start in der Wiege des Muck Diving! Grundsätzlich ist es ja eher schwierig, das Niveau nach einem solchen Start auch zu halten. Nicht aber in und rund um Raja Ampat. Unsere Erwartungen haben sich über und unter Wasser allesamt erfüllt.

Bereits am 2. Tag nahmen wir Kurs auf Banda Island. Der Landgang auf Banda ist sehr zu empfehlen. Während mein Mann die stillen Stunden auf der Arenui genoss, habe ich mich (trotz der vielen monstermässigen Spinnen auf Banda) ein weiteres Mal auf gemacht, das Eiland zu erkunden. Nebst den wunderschönen Gewürzplantagen und den herzlichen Bewohnern auf Banda bin ich fasziniert von der Geschichte der Banda Inseln. Sie liegen so unscheinbar und klein irgendwo im Ozean und trotzdem wurden sie „back in the dark ages“ bestialisch umkämpft, wegen der seltenen Gewürze, die dort wachsen (u.a. Muskatnuss). Und obschon das bereits hunderte von Jahren her ist, ist die Geschichte noch für jedermann sichtbar in Form der Kolonialbauten und der Festung, die da über allem aufragt. Die Kanonen liegen noch heute in den Strassengräben!!! Schon bei der Anlegestelle (heute das Hotel Maulana – wahrscheinlich das einzige auf Banda) hat man das Gefühl, direkt in einem anderen Jahrtausend gelandet zu sein. Und dort hat uns dann auch Tobi mit einem breiten Grinsen begrüsst. Die Freude über das Wiedersehen war bei allen (denn 3/4 der Gäste auf der Arenui waren Wiederholungstäter) sehr gross. Tobi arbeitet bei der Tauchschule des Hotels und lebt mit seiner Familie auf Banda. Von dort aus starteten wir die bekannte Tour über die Insel und liessen uns verwöhnen mit leckersten Spezialitäten aus oder mit Muskat. Übrigens – es hatte Spinnen, aber sie hingen glücklicherweise nicht mehr zu hunder-ten in den Drähten über der Strasse. In diesen homöopathischen Dosen und mit der Gelassenheit einer nunmehr 50-jährigen Frau war das völlig unproblematisch.

Der Tauchgang beim Banda Jetty in der Dämmerung ist ja auch schon legendär: Mandarinenfische! Und sie waren da. Während das Weibchen noch beschäftigt war, seine potenziellen Liebhaber „einzusammeln“, haben wir einen wunderschönen „Juvenile Batfish“ beobachten können. Als es dann langsam zur Sache ging, haben sich gefühlte 20 Taucher (waren aber nur ungefähr 8) zwischen den Holzpfosten des Jetty in Position gebracht, um den Mandarinenfische bei der Liebe zuzuschauen. Doch wer hat schon Lust auf Sex, wenn man so unter Beobachtung steht. Das Weibchen hat dann kurzerhand all seine Liebhaber verschmäht und hat sich verzogen.

Von Banda aus ging es Richtung Norden nach Raja Ampat. Raja Ampat – ein Mekka für Taucher! Auffallend war aber, wie sich die Tauchboote in den vergangenen zwei oder drei Jahren vermehrt haben. Waren wir 2011 noch fast die einzigen weit und breit, so gehörte es jetzt zur Morgenroutine, kurz zu schauen, wie viele andere Boote denn auch am selben Spot waren. Unter Wasser verteilt es sich immer noch gut. Aber es ist nicht mehr dasselbe, exklusive Erlebnis, wie vor einigen Jahren noch. Wir können der Natur zu Liebe nur hoffen, dass Raja Ampat eine Hochpreis-Tauchgegend bleibt, weil sonst nämlich innerhalb kurzer Zeit ein einzigartiges Naturparadies durch den Massentourismus zerstört werden wird. Wenn man in Raja Ampat taucht, kann man sich vorstellen, wie die Weltmeere früher ausgesehen haben müssen, bevor die des Tauchens nicht mächtige Touristen die Riffe kaputt geschlagen haben und die Meere leergefischt wurden. Aber noch sind sie sehr schön.

Im Gebiet von Raja Ampat kann man alles sehen! Da hat es wunderschöne Korallenriffe und Dächer, mit Gorgonien so weit das Auge reicht (und vielerorts sitzen die Pygmys drin…). Dann hat es beeindruckende Fischschwärme, Mantas, Haie und natürlich auch Wobbegongs und Walking Sharks. Aber auch für die Kleinkramsucher ist gesorgt: nebst den Pygmys findet man auch Pontohi Seahorses, Nudies, diverse Octopus, Wonderpus, Shrimps, Crabs, Frogfish und vieles mehr! Aber die Tauchgänge sind nicht nur angenehm und easy in Raja Ampat! Wir hatten viele Tauchgänge mit mittlerer bis sehr starker Strömung.

Die Highlights waren:
– Shadow Reef: Eine Muräne schnappt sich vor unseren Augen einen Drückerfisch und versucht ihn zu verzehren. Da sie sich aber vor uns fürchtet, zieht sie sich so weit in ihre Höhle zurück, dass sie den Drücker nicht mehr runter bringt (sie kann ihr Maul aufgrund der engen Höhle zu wenig weit öffnen). Nach einigen Versuchen lässt sie den Fisch los, der neben der Höhle reglos zu Boden sinkt. Wir alle denken, er ist tot… Doch dann zappelt er plötzlich und Debbie schreit (ja wirklich – kann man sehr gut unter Wasser): he’s alive!!! Wir alle freuen uns für den Fisch. In diesem Moment kommt ein Weissspitzen Riffhai, windet sich buchstäblich mitten durch unsere Vierergruppe hindurch und schnappt sich vor unseren Augen den noch benommenen Fisch… und tschüss!
– Boo Window: Wunderschöne Szenerie mit dem Fenster und ein schönes Santa Clause Pygmy.
– Manta Sandy: Diverse Mantas bei nicht allzu schlechter Sicht. Leider waren zu viele Taucher von anderen Booten unten, die sich nicht an die Regeln gehalten und so wahrscheinlich weitere Mantas von einem Besuch abgehalten haben.
– Arborek Jetty: Hammer Kulisse für schöne Weitwinkelbilder – leider hatte genau bei diesem TG unser Kamera Probleme, so dass wir kein einziges Bild davon haben (ausser in unseren Herzen…).

Auch bei dieser Reise ging‘s nicht ganz ohne Krankheit. Man weiss es schon am ersten Tag, wenn man aufs Boot kommt und mindestens eine Person sieht, die sich verhalten die Nase schnäuzt und leicht gerötete Augen aufweist: Dieser Käfer wird sich mit Freuden auf dem Boot vermehren. Und so war es dann auch. Mich hat es kurz vor Schluss der Tour getroffen, so dass ich den letzten Tauchtag auslassen musste. Glücklicherweise kam dann noch der letzte Tag auf der Arenui und die Weiterreise nach Sulawesi, so dass ich für den zweiten Teil unseres Aufenthalts in Indonesien wieder tauchtauglich war.

Raja Ampat – das Reich der vier Rajas… Zwar nicht mehr so abgeschieden und alleine, aber immer noch ein einzigartiges und wunderschönes Erlebnis. Aber liebe Taucherinnen und Taucher, bitte geht erst nach Raja Ampat, wenn ihr die Tarierung (auch bei starker Strömung) wirklich im Griff habt. Bei Raja gibt es noch heute kaum unbedeckte Felsen. Jeder Quadratzentimeter ist überwachsen mit den wohl wunderschönsten Korallen dieser Welt. Sich mit den Fingern irgendwo zu halten ist praktisch unmöglich, ohne etwas zu zerstören. Und das wollen wir doch vermeiden, damit wir noch viele Jahre in diesem Paradies tauchen können.